Die wichtigste Frage für jeden Anleger lautet nicht „Welche Aktie kaufe ich?“, sondern „Wie viel investiere ich in festverzinsliche Wertpapiere und wie viel in Aktien?“. Diese Entscheidung – die Vermögensallokation – bestimmt langfristig zu 90 % die Rendite und das Risiko Ihres Portfolios.
Was sind festverzinsliche Wertpapiere?
Zu den festverzinslichen Wertpapieren zählen Schuldtitel: Anleihen, Schatzanweisungen, Einlagen und Geldmarktfonds. Der Emittent (Staat, Unternehmen, Bank) verspricht, Ihnen das Geld zuzüglich fester oder variabler Zinsen zurückzuzahlen. Das Risiko besteht darin, dass der Emittent nicht zahlen kann (Kreditrisiko) oder dass die Zinsen steigen und Ihre Anleihe auf dem Markt an Wert verliert (Durationsrisiko).
Beispiele für in Spanien verfügbare festverzinsliche Wertpapiere 2026:
- Verzinsliche Konten: Revolut 2,27 %, Openbank 2,02 %
- Einlagen: EVO Banco 2,85 %, Mano Bank 2,94 % (Raisin)
- Staatsanleihen: Schatzwechsel ~2,46 %, italienische BTPs zu 3,59 %
- Geldmarkt-ETF: C3M, XEON (~2,00 %, bildet den €STR ab)
Was sind Aktien?
Aktien sind Anteile an Unternehmen. Es gibt keine garantierte Rendite: Wenn es dem Unternehmen gut geht, steigt der Kurs und Sie können Dividenden erhalten; wenn es schlecht läuft, verlieren Sie Geld. Das Risiko ist höher, aber auch die langfristig erwartete Rendite.
Möglichkeiten, in Aktien zu investieren:
- Indexfonds: MSCI World, S&P 500
- ETFs: IWDA, VWCE (erhältlich bei Trade Republic, DEGIRO)
- Robo-Advisor: Indexa Capital, Finizens
- Einzelaktien (für die meisten Anleger nicht empfehlenswert)
Historische Rendite: Wie viel hat jede Anlage gebracht?
| Aktie | Annualisierte Rendite (langfristig) | Volatilität | Schlechtestes Jahr in der Geschichte |
|---|---|---|---|
| MSCI World-Aktien | ~7–9 % real | Hoch (~15 %) | -40 % (2008–2009) |
| 10-jährige Staatsanleihen (EUR) | ~2–4 % nominal | Mäßig (~5–8 %) | -15 % (2022) |
| Schatzwechsel / Geldmarktpapiere | ~0–3 % nominal | Sehr niedrig | ~0 % (negative Zinsen 2016–2022) |
| Bankeinlagen | 0–5 % nominal | Null | 0 % (Negativzinsen) |
Wie viel soll in welche Anlageform fließen? Die „100-minus-dein-Alter“-Regel
Eine klassische (und grobe) Regel für die Vermögensaufteilung:
- Anteil an Aktien = 100 – dein Alter
- Beispiel: 30 Jahre → 70 % Aktien, 30 % Anleihen
- Beispiel: 60 Jahre → 40 % Aktien, 60 % Anleihen
Die Logik dahinter: Je jünger du bist, desto mehr Zeit hast du, um dich von Markteinbrüchen zu erholen. Mit 30 Jahren kannst du einen Kursrückgang von 40 % an der Börse verkraften; mit 65 Jahren kannst du es dir nicht leisten, 10 Jahre auf eine Erholung zu warten.
Aktualisierte Version für eine höhere Lebenserwartung: 110 oder 120 minus dein Alter (die Menschen leben länger, brauchen mehr Wachstum).
Was passiert 2026 mit festverzinslichen Wertpapieren bei 2–3 %?
Nach Jahren mit Negativzinsen (2016–2022) weisen festverzinsliche Wertpapiere zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt wieder eine positive Realrendite auf. Das verändert die Gleichung:
- Bei Negativzinsen „bestraften“ festverzinsliche Wertpapiere den Anleger – jedes Portfolio musste einen hohen Anteil an variabel verzinslichen Anlagen enthalten
- Bei Zinsen von 2–3 % sind festverzinsliche Wertpapiere eine echte Alternative für den konservativen Teil des Portfolios
- Besonders relevant für Anleger, die kurz vor dem Ruhestand stehen oder eine geringe Risikotoleranz haben
Allerdings liegt die historische Rendite von Aktien (~7–9 % real) weiterhin deutlich über der von festverzinslichen Wertpapieren (~2–4 %). Für Anleger mit einem Anlagehorizont von mehr als 10 Jahren ist eine Übergewichtung von Aktien nach wie vor rational vertretbar.
Beispiele für Portfolios nach Anlageprofil
| Profil | Aktien | Anleihen/Geldmarkt | Empfohlenes Produkt |
|---|---|---|---|
| Konservativ (60+ Jahre) | 20–30 % | 70–80 % | Schatzanweisungen + Einlagen + ein Teil in einem Indexfonds |
| Moderat (40–55 Jahre) | 50–60 % | 40–50 % | Robo-Advisor 5/10 + verzinstes Konto |
| Aggressiv (25–40 Jahre) | 80–90 % | 10–20 % | MSCI World-Fonds + 3–6 Monate Ausgaben auf einem verzinslichen Konto |
Der Fehler der Timing-Strategie
Der größte Fehler besteht nicht darin, die falsche Gewichtung zu wählen – sondern darin, die Gewichtung in schlechten Zeiten zu ändern. Anleger, die während des Einbruchs 2020 (Covid) oder 2022 (Zinsen) ihre gesamten Aktien verkauft und zum ungünstigsten Zeitpunkt in festverzinsliche Wertpapiere umgeschichtet haben, haben die Erholung verpasst.
Legen Sie Ihre Zielallokation fest, automatisieren Sie die Einzahlungen (Robo-Advisor oder monatlicher DCA) und rühren Sie das Portfolio nicht an, wenn der Markt fällt. Das ist alles, was die meisten Anleger brauchen.
Weitere Ressourcen
- Umfassender Leitfaden zum passiven Investieren in Spanien
- Die besten Robo-Advisor zur Automatisierung Ihres Portfolios
- Geldmarkt-ETFs für die konservative Komponente
Häufig gestellte Fragen
Was ist für 2026 besser: festverzinsliche Wertpapiere oder Aktien?
Das hängt von Ihrem Anlagehorizont und Ihrer Risikotoleranz ab. Im Jahr 2026, bei weiterhin hohen Zinsen, bieten kurzfristige festverzinsliche Wertpapiere (Schatzanweisungen, Festgeld, Geldmarkt-ETFs) attraktive Renditen bei geringem Risiko. Aktien sind langfristig (10+ Jahre) weiterhin überlegen, weisen jedoch eine höhere Volatilität auf.
Kann ich mit festverzinslichen Wertpapieren Geld verlieren?
Ja. Anleihen und Rentenfonds können an Wert verlieren, wenn die Zinsen steigen. Wenn du jedoch ein Festgeld oder einen Schatzwechsel bis zur Fälligkeit hältst, erhältst du das gesamte Kapital zuzüglich der Zinsen zurück.
Wie sieht die historische Rendite von Aktien aus?
Der S&P 500 hat in den letzten 100 Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von etwa 10 % erzielt (vor Inflation). In Euro lag die Rendite des MSCI World langfristig im Durchschnitt bei etwa 8–9 % pro Jahr.
Wie hoch sollte der Anteil von festverzinslichen Wertpapieren im Vergleich zu Aktien sein?
Eine klassische Faustregel lautet: Ziehe dein Alter von 110 ab, um den Prozentsatz für Aktien zu ermitteln. Beispielsweise bei einem Alter von 35 Jahren: 75 % Aktien, 25 % festverzinsliche Wertpapiere. Dies hängt jedoch von deiner persönlichen Situation, deinem Anlagehorizont und deiner Risikotoleranz ab.
Sind Geldmarkt-ETFs festverzinsliche Wertpapiere?
Sie sind sehr ähnlich. Geldmarkt-ETFs investieren in sehr kurzfristige Schuldtitel (weniger als 6 Monate) und bilden den Zinssatz der EZB ab. Ihr Risiko ist minimal und sie gelten als bargeldähnlich oder als sehr kurzfristige Quasi-Festwertanlagen.